„Einwerfen von Müll und Kadaver durch Unbefugte verboten“ warnt das Schild. Offenbar zählte Dr. Nils-Peter Lüpke, später Professor an der Uni Osnabrück, zu denen, die „befugt“ waren für den Umgang mit dem „Stoff“ (Fotos: privat)

Wilde Siebziger: Wieso die Pharmakologie fast 80 Kilogramm Cannabis bunkerte

Ein süßlicher Duft hing über großen Teilen des Medizin-Campus – und Insider ahnten sofort, um was es sich handeln musste: um den Verbrennungsgeruch von Cannabis. Auch nach der Legalisierung wäre die Menge, die 1978 bei der Unimedizin lagerte, ein Fall für die Polizei: Stolze 80 Kilogramm. Es ist der 23. Februar 1978. Prof. Kemper öffnet den Tresor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie, dessen Leiter er zu dieser Zeit ist. Darin hatte sich die Menge an Cannabis angesammelt. Fünf Jahre zuvor wurde Kemper durch die Staatsanwaltschaft Münster gebeten, sichergestellte Drogen in seinem Institut zu bestimmen und als Beweismittel aufzubewahren. „Die Sache wurde mir langsam zu heiß. Und so beschlossen wir mit Erlaubnis der Staatsanwaltschaft, das Zeug zu vernichten“, erinnerte sich Prof. Dr. Fritz Kemper 2005 im Gespräch mit Petra Conradi, die im PulsSchlag über den besonderen Vorfall berichtete. Die 80 Kilogramm wurden in einem Wägelchen und in Kartons über den Campus zu dem Backsteinturm im Osten des Zentralklinikums gefrachtet und bei 1060 Grad Celsius im Ofen „ordnungsgemäß und quantitativ vernichtet“, wie es im Protokoll hieß. Wenn das kostbare Harz schon nicht für den Eigenbedarf konfisziert oder in der klinikumseigenen Bäckerei zu  Plätzchen verbacken werden konnte, „so hätte der Verkauf dem Institutsetat doch sehr gut getan“, bemerkte Kemper augenzwinkernd.

Als Sachverständiger reiste Kemper mit einem Koffer voll diverser Drogen durch die ganze Republik und sogar nach Italien. „Am Brenner-Grenzübergang zu Italien erwartete man mich bereits. Ein ,Commandante` führte mich zu seinem Vorgesetzten, dessen Uniform vor lauter Orden funkelte und blitze. Seine Mitarbeiter hätten noch nie Haschisch gesehen! Ob ich ihnen nicht eine kleine Einführung geben könnte.. Dieser Bitte kam ich natürlich gerne nach.“ Für seine Demonstrationen hatte der 2017 verstorbene Professor einen Mikroskopkoffer umbauen lassen. Im Laufe der Zeit konnte Kemper eine beträchtliche Sammlung an unterschiedlichen Drogen, die die Polizei beschlagnahmte, anlegen.

Prof. Fritz Kemper 2005 mit einem Teil seiner Drogen-Lehrsammlung (Foto: E. Deiters-Keul)
Prof. Fritz Kemper 2005 mit einem Teil seiner Drogen-Lehrsammlung (Foto: E. Deiters-Keul)