Eine edle Urkunde, verfasst auf Büttenpapier, signiert mit ruhiger Hand – sprich: ein Unikat, das sich gut an der Wand machen würde. So könnte man sich das Dokument vorstellen, mit dem im Jahr 1925 die Geschichte der Universitätsmedizin in Münster begann. Die Realität sieht banaler aus: Die „Urkunde“ ist kein von Blattgold eingefasstes Schmuckstück, sondern die Abschrift zu einem Verwaltungsakt im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung des Landes Preußen.
Am 28. April verfügte Minister Carl Heinrich Becker, dass er die Medizinische Fakultät der Universität Münster errichte. Der Erste Weltkrieg hatte die Erweiterung der Hochschule um das Fach Medizin um mehr als zehn Jahre verzögert – für den 16. Mai 1925 kündigte Becker endlich die „feierliche Eröffnung der Fakultät“ an. In dem Schriftstück schließt an den Beschluss eine Liste der Ärzte und Forscher an, die das erste wissenschaftliche Personal bildeten. Die maskuline Form genügt hier tatsächlich: Unter den insgesamt 22 führenden Köpfen findet sich – typisch für die zeitgenössischen Hochschulen – nicht eine einzige Frau.
Das Dokument wird heute im Archiv der Universität Münster verwahrt: Sie finden es hier zum Download.
