Promovieren an der Medizinischen Fakultät: Gleich die erste Doktorarbeit zog Kreise bis in die USA

Promovieren an der Medizinischen Fakultät: Gleich die erste Doktorarbeit zog Kreise bis in die USA

Dass eine Dissertation international Beachtung findet, ist heute nicht ungewöhnlich. Vor 100 Jahren war dies allerdings ungewöhnlich, dass es eine Promotion über den „Großen Teich“ schaffte, damit war es die erste der Medizinischen Fakultät Münster. Dr. Antonius Lepper, der 1925 als Erster seinen Doktortitel hier erwarb, hinterließ mit seiner Arbeit Spuren: Seine Dissertation ist nicht nur in deutschen und französischen Bibliotheken zu finden, sondern wurde sogar von der Universität Michigan digitalisiert. Leppert wurde 1900 im münsterländischen Nordwalde geboren und absolvierte zunächst – nach Einberufung im Ersten Weltkrieg – ein Studium der Zahnmedizin an der Uni Münster. Promoviert zum Dr. med. dent. wurde er 1923 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nur zwei Jahre später folgte die Promotion zum Dr. med. unter Betreuung durch Doktorvater Prof. Hermann Coenen. Seitdem sind Tausende Doktorandinnen und Doktoranden seinem Beispiel gefolgt – jährlich kommen etwa 260 neue hinzu.

Medizinische Promotionen sind nach wie vor beliebt: Über die Hälfte aller Medizinstudierenden schließt ihr Studium mit einem Doktortitel ab. An der Medizinischen Fakultät werden Doktorarbeiten in der Human- und der Zahnmedizin verfasst sowie in den medizinischen Wissenschaften (Titel: Dr. rer. medic.). Allerdings gab es auch eine unerfreuliche Episode in der Geschichte der Promotionen an der Medizinischen Fakultät Münster: Im Jahr 2014 machten „Plagiatsjäger“ die Einrichtung auf mehr als 20 Verdachtsfälle aufmerksam. Die Fakultät reagierte mit strengeren Regeln und systematischen Plagiatsprüfungen. Um qualitativ hochwertige Arbeiten zu fördern, gibt es Programme wie das Promotionskolleg MedK oder das Graduiertenkolleg „Chembion“, die Forschung und Nachwuchs unterstützen. Eine Anerkennung für qualitativ besonders hochwertige Promotionen ist der mit 2500 Euro dotierte Promotionspreis der Medizinischen Fakultät, der zweimal jährlich vergeben wird. Wer sich für die jüngeren Arbeiten interessiert, findet sie in der Dissertations-Datenbank der Medizin-Bibliothek – mit mittlerweile über 10.000 Titeln ein beeindruckendes Archiv medizinischer Forschung. Denn eines hat sich in den letzten 100 Jahren nicht geändert: Wer eine Doktorarbeit verfasst, muss sie der Öffentlichkeit – und somit der kritischen Betrachtung – zugänglich machen.